Wie bereits erwähnt, liegt die Jahresproduktion des Dayuling-Tees zwischen Kilometer 100 und 103 bei rund 5.000 kg (Frühling und Winter). Alle reißen sich darum, und bei hoher Nachfrage und knappem Angebot blühen natürlich die Fälschungen. Dass Teehändler minderwertigen Tee als Dayuling ausgeben oder echten Dayuling mit anderen Teesorten „mischen“, ist längst kein Geheimnis mehr. Der Ladenbesitzer möchte heute jedoch ein paar Hinter Insider-Gerüchte über die „fake Dayuling-Tees“ direkt aus den Teefabriken erzählen.
Fakes und Gerüchte um Dayuling-Tee
Vor langer Zeit kursierten in Teehändlerkreisen Gerüchte, dass einige Teefabriken in Dayuling über „ungewöhnlich große“ Lagerbestände verfügten. Sie konnten nicht nur riesige Mengen nach Festlandchina exportieren, sondern hatten auch noch genug Vorräte, um an andere Teehändler zu verkaufen – die verkaufte Menge schien einfach überhaupt nicht zur geschätzten Gesamtproduktion zu passen. Die genauen Produktions- und Verkaufszahlen kannten jedoch nur die Teebauern selbst, sodass die Zweifel zunächst im Verborgenen blieben. Jahre später wurde einer der Teebauern schließlich von Kunden beschuldigt, jährlich mehr als das Vierfache der realistischen Erntemenge verkauft zu haben, wodurch der Skandal ans Licht kam.
Über diesen Vorfall berichtete damals sogar die Apple Daily. Wer danach googelt, wird sehen, dass das damals ein ziemliches Aufsehen erregte. Kurz darauf wurden nacheinander die Dayuling-Teegärten gerodet und die Sache verlief im Sande.
Das oben genannte Gerücht stammt aus der Zeit vor 10 Jahren. Wenn es wahr ist, bedeutet das, dass bereits an der Quelle gefälschter Tee produziert wurde. Vor 10 Jahren betrug die Produktion von Dayuling-Tee noch mehrere Tausend Jin [Anm. d. Red.: entspricht mehreren Tonnen], heute sind davon nicht einmal mehr 10 % übrig – der Anteil an Fälschungen auf dem Markt dürfte entsprechend noch viel höher sein.
Zum Schluss noch die Antwort auf eine häufige Frage: „Was ist ein fairer Preis für echten Dayuling-Tee heute?“ Der Großhandelspreis, den der Ladenbesitzer zuletzt erfragt hat, liegt je nach Höhenlage zwischen NT$5.000 und NT$6.800 (pro 600 g). Im Einzelhandel werden meist etwa NT$8.000 bis NT$11.000 veranschlagt, wobei für manche Abpackungen à 75 g [Anm. d. Red.: umgerechnet aus 2 Liǎng] sogar noch höhere Preise verlangt werden. Übrigens: Der Einzelhandelspreis in Festlandchina liegt bei stolzen 10.000 RMB.
Hinweis: Das Foto zeigt den Dayuling 104K Teegarten vor 10 Jahren. Es war der Teegarten mit der besten Qualität, den der Ladenleiter je gekauft hatte, und zugleich der am höchsten gelegene Teegarten in Dayuling. Inzwischen wurde er gerodet.
Ergänzung 1: Wer denkt, die Aussage „Alle reißen sich darum“ sei übertrieben, unterschätzt die Macht der vier Schriftzeichen „Dayuling-Tee“. Ob Festlandchina, Hongkong, Macao, Japan, Europa, Amerika, Australien, Singapur – der Ladenleiter hat sogar schon Anfragen von Teefreunden aus Afrika erhalten!