Eine Frage aus der Community: Wie kann man eigentlich erkennen, ob Tee gut ist oder nicht? Es gibt im Teehaus so viele Sorten, und man möchte sich ja nicht nur auf die Empfehlungen des Inhabers verlassen – worauf muss man also beim Kauf achten?
Chang-Hsing Teehaus: Guten Tee beurteilt man am besten nach Aussehen, Teefarbe und Aroma. Nehmen wir kugelig gerollten Tee als Beispiel: Die Kugeln sollten idealerweise prall und intakt sein. Da Hochlandtee langsamer wächst und meist mit mehr organischem Dünger versorgt wird, sind die Teeblätter dichter gerollt. Tee aus den Flachlandlagen ist hingegen oft kleiner. Äußerlich sollte guter Tee rund, fest und voll sein; wenn zudem die Stängel aussortiert wurden, ist die Qualität noch höher.
Als Nächstes empfiehlt sich ein Testaufguss. Wenn sich die Teeblätter beim Aufgießen vollständig entfalten, spricht das für handgepflückten Tee. Maschinell geernteter Tee weist verständlicherweise mehr Bruchteile auf. An dieser Stelle sei gesagt: Maschineller Tee ist nicht zwangsläufig schlechter als Handpflückung. Maschinengeernteter Tee, der bei strahlendem Sonnenschein zur Mittagszeit gepflückt wurde, steht handgepflücktem Tee von regnerischen Tagen in nichts nach. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, einen wirklich guten Tee zu erwischen, bei Handpflückung einfach höher.
Nach dem Aufgießen sollte man das Aroma prüfen: Frische, feine Duftnoten und ein langanhaltender Nachhall im kalten Zustand sind ideal. Man sollte am besten bis zum dritten Aufguss warten, bevor man ein Urteil fällt. Manche Tees sind nämlich aromatisiert – beim ersten Aufguss duften sie intensiv, aber beim dritten bricht der Geschmack völlig ein. Daran erkennt man sofort, ob künstliche Zusätze im Spiel sind. Danach kann man den Tee abkühlen lassen. Heißer Tee kaschiert Schwächen, während kalter Tee sie unbarmherzig offenbart. Wenn der Tee im abgekühlten Zustand schnell bitter und adstringierend wird, ist die Qualität eher mittelmäßig. Bleibt er auch nach längerer Zeit mild und harmonisch, zeugt das von guter Qualität. Der abgekühlte dritte Aufguss ist das beste Werkzeug, um die Spreu vom Weizen zu trennen.
Schließlich lässt sich die Qualität auch am Teegrund (den aufgegossenen Blättern) ablesen. Wenn sich die Blätter vollständig entfalten und die Blattränder klar erkennbar sind, ist das Rohmaterial von guter Qualität. Hochwertige Teeblätter verströmen selbst nach zahlreichen Aufgüssen beim Herausnehmen noch einen frischen Duft – das gilt besonders für Hochlandtees.
Zu guter Letzt sollte man sich immer genau nach Herkunft, Anbaugebiet und Herstellungsweise erkundigen. Wenn die Angaben vage bleiben oder der Preis verdächtig niedrig ist, ist Vorsicht geboten. Normalerweise liegt ein fairer Preis für handgepflückten Tee bei mindestens NT$1,000 per 600 g; ist er zu günstig, handelt es sich oft nicht um echten taiwanischen Tee. Bei Lishan-Tee bewegt sich der realistische Preisrahmen zwischen NT$2,600 und NT$10,000 per 600 g. Liegt er unter NT$800, deckt das nicht einmal die Produktionskosten, worauf Teefreunde beim Kauf unbedingt achten sollten.