Ein Bewässerungssystem ist ein wesentlicher Bestandteil der Teeplantagen-Verwaltung und für mich als Inhaber eine absolute Grundvoraussetzung für hochwertigen Tee. In hochgelegenen Teeanbaugebieten mit wenig Niederschlag ist die Wahrscheinlichkeit, dass Teepflanzen ohne Bewässerung exzellenten Tee hervorbringen, äußerst gering.
Ein Bewässerungssystem ist unverzichtbar für hochwertigen Tee
Der Grund, warum ein Bewässerungssystem für Hochland-Teeplantagen so entscheidend ist, liegt an den sehr ungleichmäßigen Niederschlägen in den Bergen. Nehmen wir Lishan als Beispiel: Der Regen konzentriert sich hauptsächlich auf die Monate Mai bis September, während in der Wachstumsperiode des Frühlingstees (März bis April) und Teilen des Wintertees (Oktober) kaum Niederschlag fällt. Fehlt während der Wachstumsphase Wasser, leidet die Teequalität massiv darunter. Deshalb installieren Teebauern, die nach höchster Qualität streben, auf jeden Fall ein Bewässerungssystem. Ein gutes Bewässerungssystem erfüllt dabei folgende wichtige Funktionen:
- Es deckt den täglichen Wasserbedarf der Teepflanzen..
- Es versorgt die Pflanzen in der Austriebsphase mit reichlich Wasser, wodurch die Triebe nicht nur gleichmäßig sprießen, sondern auch innerhalb kurzer Zeit gleichzeitig herauskommen. Das sorgt für eine einheitliche Größe bei der Ernte. Gleichmäßige Teeblätter sind für die Qualität bei der Teeverarbeitung von größter Bedeutung. Mangelt es in der Austriebsphase an Regen, führt das zu ungleichmäßig großen und zähen Blättern (sogenannten Gongsun-Blättern).
- Die Nährstoffaufnahme durch Düngemittel funktioniert nicht ohne Wasser. Ohne eine stabile, kontinuierliche Bewässerung kann sich der Dünger nicht zersetzen. Selbst wenn er im Boden ist, braucht es eine gleichmäßige Wasserzufuhr, damit die Teepflanzen das Wasser aufnehmen, die Nährstoffe in ihren Organismus transportieren und verwerten können. Ohne eine verlässliche Wasserversorgung können die Pflanzen den Dünger schlichtweg nicht richtig verwerten.
Allerdings ist die Installation eines Bewässerungssystems in den Hochland-Teegebieten ziemlich aufwendig. Zum einen treibt das bergige Gelände die Installationskosten ordentlich in die Höhe. Zum andern ist es nicht einfach, an Wasserquellen zu gelangen. Schon ein einfacher Wasserturm kostet schnell über hunderttausend NT$. Rechnet man noch die Zuleitungen, Sprühanlagen und Montagekosten hinzu, sind Summen von Hunderttausenden bis zu einer Million keine Seltenheit. Manche Plantagenbesitzer scheuen diese Investition oder den Aufwand und verzichten komplett darauf – sie verlassen sich stattdessen rein auf das Wetter.
Aus der Sicht eines Teebesitzers ist das Vorhandensein eines intakten Bewässerungssystems ein entscheidendes Kriterium beim Einkauf von Hochland-Tee. Tees, denen es an Wasser mangelt, wachsen ungleichmäßig, nehmen Nährstoffe nur schwer auf und können qualitativ einfach nicht ihr Bestes geben. Außer es gab in der Wachstumsphase reichlich natürlichen Regen, greife ich persönlich ausschließlich zu Tee aus Plantagen mit Bewässerungssystem.
Am Bewässerungssystem lässt sich erkennen, wie viel Herzblut ein Verwalter in die Pflege der Teeplantage steckt. Manche Teefabriken scheuen keine Kosten und Mühen, um sich aus kilometersitigen Entfernungen Wasser zu sichern – allein die Wasserleitungen kosten oft Millionen. Genau das ist der Grund, warum selbst in demselben Teeanbaugebiet und unter gleichen Erntebedingungen die Qualität des Tees je nach Bewirtschaftung so drastisch variieren kann.