Wenn man an japanischen Grüntee denkt, haben viele sofort gedämpfte Tees im Kopf – wie zum Beispiel Gyokuro und Matcha, die nach dieser Methode hergestellt werden. Es gibt jedoch auch Grüntees, deren Fermentation in einer Eisenpfanne gestoppt wird: das ist die traditionelle Handwerkskunst des „Kama-iri cha“ (釜炒り茶). Er zeichnet sich durch ein einzigartiges Röstroma sowie ein mildes, weiches Mundgefühl aus und ist ein ganz besonderer japanischer Grüntee.
Kama-iri cha – In der Eisenpfanne gerösteter japanischer Grüntee
Das Hauptmerkmal von Kama-iri cha ist das Erhitzen in der Pfanne. Im Gegensatz zum in Japan vorherrschenden gedämpften Grüntee werden die Teeblätter hierbei nicht mit Dampf erhitzt, sondern bei hoher Temperatur in einer Eisenpfanne unter ständigem Wenden geröstet, um die Fermentation zu stoppen und überschüssige Feuchtigkeit zu entziehen. Die so behandelten Teeblätter sind etwas stärker eingerollt und entwickeln ein Aroma, das an Röstaromen und geröstete Bohnen erinnert. Die Tassenfarbe ist zudem eher hellgelb. Auch die Adstringenz ist geringer, wodurch der Geschmack weicher und geschmeidiger wird.
Herkunft
Kama-iri cha wird hauptsächlich in der Region Kyushu in Japan angebaut, wobei die Präfekturen Kumamoto, Miyazaki und Saga die Hauptanbaugebiete sind. Die Teebauern dort nutzen traditionelle Rösttechniken, die sich stark von den in Japan üblichen gedämpften Grüntees unterscheiden. Kama-iri cha bewahrt die Frische des Grüntees und ergänzt sie um eine spezielle Röstnote.
Herstellungsprozess
| Ernte | Es werden zarte Teeblätter geerntet, wobei die Qualität im Frühling oder Sommer meist am besten ist. |
| Pfannenerhitzung (Kamairi) | Die Teeblätter werden nach der Ernte so schnell wie möglich in eine heiße Eisenpfanne gegeben und bei hoher Temperatur unter ständigem Rühren erhitzt. Dies stoppt die Fermentation und entzieht überschüssige Feuchtigkeit. |
| Kneten | Die erhitzten Teeblätter werden geknetet, um den inneren Pflanzensaft herauszudrücken und die typische Form des Tees zu formen. |
| Trocknung | Der letzte Schritt ist die schonende Trocknung bei niedriger Temperatur, um den Feuchtigkeitsgehalt zu reduzieren, die Haltbarkeit zu sichern und das Aroma zu stabilisieren. |
Zubereitungsempfehlung
| Teemenge | Ca. 3 g Teeblätter auf 150 ml heißes Wasser. |
| Wassertemperatur | Empfohlen sind 80–90 °C heißes Wasser – etwas höher als bei gedämpften Grüntees wie Sencha oder Gyokuro, damit sich das Aroma der pfannenerhitzten Teeblätter voll entfalten kann. |
| Ziehzeit | Erster Aufguss 30 bis 60 Sekunden, je nach persönlichem Geschmack anpassbar. |
| Aufgüsse | 2 bis 3 Aufgüsse möglich. Die Ziehzeit dabei jeweils um 20 bis 40 Sekunden verlängern, um den Geschmack abwechslungsreicher zu gestalten. |
Vorteile und Nachteile von Kamairicha (Pfannenerhitzter Grüntee)
| Vorteile | Einzigartiger Röstduft, der sich durch eine dezente Röstnote von herkömmlichen japanischen Grüntees abhebt. |
| Mild und geschmeidig im Geschmack. Im Vergleich zu Sencha hat Kamairicha weniger Herbe und eignet sich ideal für Teeliebhaber, die keine ausgeprägte Bitternote mögen. | |
| Koffearmer, ideal für den Nachmittag oder Abend und beeinträchtigt den Schlaf kaum. Perfekt für Teefreunde, die zu Schlafstörungen neigen. | |
| Nachteile | Selten auf dem Markt: Verglichen mit gängigen Grüntees wie Sencha oder Gyokuro macht Kamairicha weniger als 1 % der japanischen Gesamt-Teeerzeugung aus und ist daher schwerer zu bekommen. |
| Das Aroma weist eine Röstnote auf, an die sich Teeliebhaber, die an erfrischende, gedämpfte Grüntees gewöhnt sind, eventuell erst gewöhnen müssen. |
Kamairicha ist ein japanischer Grüntee mit traditionellem Charakter. Im Vergleich zu den üblichen gedämpften Tees besticht er durch sein röstfrisches Aroma und seinen geschmeidigen Geschmack. Wer japanischen Grüntee mag, sollte ihn unbedingt probieren – er unterscheidet sich deutlich von anderen Grüntees!