Am 1. Mai ging es in die wichtigsten Anbaugebiete der ShanLinXi-Tees: nach LongFengXia und Budongyu. Vorab: Ich habe mir in LongFengXia nur die Teegärten auf über 1.700 Höhenmetern angesehen. Zwischen 1.300 und 1.650 Metern ist der Weg einfach zu steil – aus Sorge, dass mein Auto zwar runter, aber nicht mehr hochkommt, habe ich diese ausgelassen.
Teeanbaugebiet LongFengXia: Absolut der König der ShanLinXi-Tees. In den Premium-Regionen hat man schlicht die Mittel für ein professionelles Teegartenmanagement. Bislang ist dies die Region mit dem optisch besten Teewachstum. Wenn man ein paar Plantagen abzieht, die ohnehin schon in den Vorjahren schlecht gepflegt wurden, hielten sich die Dürreschäden bei den Qualitäts-Teefabriken in Grenzen. Bei einigen Gärten hatte ich sogar das Gefühl, dass sie sich kaum vom letzten Jahr unterscheiden: Die Teeknospen sind kräftig und saftig, und auch der Ertrag stimmt. Natürlich gibt es hier und da ein paar ungleichmäßige Wuchsstellen, aber verglichen mit Alishan, Fanzitian, Sancengping oder Ruanan ist das quasi vernachlässigbar. In etwa 10 Tagen kann hier großflächig geerntet werden. Von mir gibt es für LongFengXia oberhalb von 1.700 Metern starke 75 Punkte.
Teeanbaugebiet Budongyu: Im Vergleich zum exzellenten LongFengXia schwächelt Budongyu ein wenig. Von der Spitze auf 1.700 Metern bis runter auf 1.400 Meter wächst vieles spärlich, ungleichmäßig oder zeigt ungleich entwickelte Knospen. Unfassbar, dass es trotz der unmittelbaren Nähe zu LongFengXia so einen großen Unterschied gibt. Es gibt ein paar wenige Lichtblicke mit zwei oder drei ganz ordentlichen Teegärten, aber eben auch nur „ordentlich“ – das Auftreten hat einfach nicht diese Wucht wie in LongFengXia. Am 1. Mai habe ich gesehen, wie einige Bauern um die 1.500 Meter bereits geerntet haben; der Rest ist noch zu zart und braucht schätzungsweise noch 4 bis 5 Tage. Ich vergebe mal 65 Punkte.
Die Teebauern in LongFengXia haben es echt drauf. Auch wenn die Ernte geringer ausfällt als letztes Jahr, ist es beeindruckend, was sie trotz der Dürre auf die Beine gestellt haben. Letztes Jahr hat die Frühlingsernte aus LongFengXia zahlreiche Lishan-Tees in den Schatten gestellt – ich wäre nicht überrascht, wenn sich das dieses Jahr wiederholt.