Ende April besuchte unser Ladenleiter das Teeanbaugebiet Ruan’an in Zhushan, um sich ein Bild von der Ernte zu machen. Entlang der Landstraße Tou 49 auf einer Meereshöhe von 800 bis 1000 Metern waren viele Teegärten bereits abgeerntet. Das am höchsten gelegene Teebiet Ruan’an am Ende der Strecke befand sich ebenfalls in der Haupterntephase, die voraussichtlich Anfang Mai abgeschlossen sein wird.
Beim FrühlingsTee aus dem Anbaugebiet Daan-Ruan’an zeigt sich ein ähnliches Bild wie andernorts: ungleichmäßiges Wachstum, viele „Großvater-Enkel-Triebe“ (ungenutzte, ungleich entwickelte Knospen) und ein Ertrag von etwa 70 % im Vergleich zu den Vorjahren. Die Lage ist zwar nicht ganz so dramatisch wie im Alishan-Teeanbaugebiet, aber verglichen mit normalen Jahren eher „unterdurchschnittlich“ (wobei es durchaus sehr gut abschneidende Teegärten gibt). Im Fanzitian-Teeanbaugebiet, das ich vor zwei Tagen besucht habe, sah es etwas besser aus. Insgesamt liegt die Qualität wohl bei schätzungsweise 60 Punkten.
Rund um den Bagua-Teegarten, dem am höchsten gelegenen Punkt dieser Region, hat die Ernte gerade erst begonnen und wird voraussichtlich Anfang Mai beendet sein. Letztes Jahr waren sie um Mitte April schon fast durch – dieses Jahr sind wir fast drei Wochen später dran. Ich bin gespannt, ob das Auswirkungen auf die Qualität haben wird.
Das größte Problem bleiben nach wie vor die ungleichmäßig großen Triebe. Wenn frische Teeblätter unterschiedlicher Reifegrade gleichzeitig verarbeitet werden, macht das die Weiterverarbeitung extrem kompliziert. Dieser FrühlingsTee verlangt den Teemeistern hier also einiges an Geduld ab. Zudem spielen auch die Qualitätsvorgaben der Teefabrik für die Ernte eine entscheidende Rolle. Bislang konnte der Ladenleiter erst zwei Teeproben probieren; gefühlt gibt es hier noch Luft nach oben. Wir warten noch ein paar Teeproben in den nächsten Tagen ab, bevor wir entscheiden, ob wir einkaufen.
Nebenbei bemerkt: Der Bagua-Teegarten in Ruan’an ist ein beliebter Aussichtspunkt, und die gesamte umliegende Teeberg-Landschaft zählt zu den schönsten Teelandschaften Taiwans. Bei meinem diesjährigen Besuch in Ruan’an fiel mir jedoch auf, dass der Berggipfel an einer Stelle kahl war. Auf Nachfrage bei den Teeebauern erfuhr ich, dass die Teesträucher dort zu alt waren und gefällt wurden; an ihrer Stelle wird nun hauptsächlich „Jinxuan-Tee“ angebaut. Auf einer Höhe von rund 1200 Metern ist diese Sorte an diesem Standort eher selten. Welche Qualität diese Teepflanzen hier erreichen werden, da ist der Ladenleiter schon sehr gespannt drauf.