Dass Tee, der an Regentagen geerntet wird, von minderer Qualität ist, ist hinlänglich bekannt. Im Klassiker des Tees von Lu Yu heißt es: „Bei Regen nicht ernten, bei Sonnenschein ernten.“ Das bedeutet, dass Teeblätter bei sonnigem Wetter gepflückt werden müssen, um gut zu sein, doch der allerbeste Tee wird nicht nur bei Sonnenschein geerntet, sondern an aufeinanderfolgenden sonnigen Tagen, damit die Qualität ein ganz neues Niveau erreicht.
Warum es bei Regen so schwierig ist, guten Tee herzustellen
Teemeister zögern meist, an Regentagen Tee zu produzieren. Abgesehen von den hohen Ernteosten liegt der Hauptgrund in der schwierigen Welkung. Teeblätter, die innen und außen voller Regenwasser sind, benötigen eine deutlich längere Welkzeit, was nachfolgende Prozesse verzögert und den gesamten Ablauf unkontrollierbarer macht. Selbst die besten Teemeister können daher mit Tee aus Regentagen geschmacklich kaum an sonnige Tage heranreichen.
Ein weiterer Grund, warum es an Regentagen schwerfällt, hervorragenden Tee zu machen, ist, dass meist auf künstliche Hitze zum Welken ausgewichen werden muss – es fehlt schlicht die Sonne für das Welken im Sonnenlicht. Daher sind das Aroma und die Sanftheit des Tees weniger ausgeprägt.
Ist Tee von sonnigen Tagen immer gut?
Tee, der an einem strahlenden Tag nach einem starken Regensturz am Vortag verarbeitet wird, ist nicht zwangsläufig gut. Der Hauptgrund liegt auch hier im Welken. Obwohl die Blätter äußerlich trocken erscheinen, stecken sie im Inneren voller Feuchtigkeit, weshalb das Welken extrem schwierig bleibt. Man kann die Teequalität also nicht nur nach dem aktuellen Tag beurteilen; der Regen der vorherigen Tage beeinflusst die Qualität auch in den Folgetagen.
Warum ist Tee von aufeinanderfolgenden sonnigen Tagen der beste?
Nach anhaltenden sonnertagen wird der boden trockener, wodurch die teepflanzen nicht zu viel wasser aufnehmen und der feuchtigkeitsgehalt im teeblatt auf ein bestimmtes maß sinkt. erst dann verläuft das welken reibungslos. verläuft das welken optimal, kann der teemeister mehr energie in die nachfolgenden schritte wie das erhitzen (shaoqing) und das rollen stecken, wodurch die tee-qualität auf ein noch höheres niveau gehoben wird.
Ein weiterer vorteil von tee aus anhaltenden sonnentagen ist, dass der teemeister während der täglichen teeproduktion den herstellungsprozess basierend auf den ergebnissen des vortages anpasst – wie etwa durch das verlängern oder verkürzen der welkzeit, anpassungen der rösttemperatur oder der trockenzeit. unter normalen umständen wird die tee-qualität von tag zu tag besser. da die teeblattqualität aufgrund des sonnigen wetters stabil ist, kann der teemeister tägliche feinabstimmungen vornehmen und schließlich den qualitativen höhepunkt der jeweiligen teeblätter erreichen. sollte dazwischen jedoch ein regen fallen, muss die anpassung wieder von vorn begonnen werden. aus diesem grund entstehen tees der absoluten spitzenklasse am ehesten bei anhaltend sonnigem wetter.