Am Montag regnete es im Norden Taiwans heftig, und der Wetterbericht kündigte an, dass es in den nächsten Tagen auch in Lishan regnen könnte. Voller Vorfreude fuhr der Ladenbesitzer am 13. März in die Berge, um gemeinsam mit den Teebauern die ersehnte Erfrischung von oben zu begrüßen. Doch zu seiner Enttäuschung gab es am frühen Morgen des 14. nur ein paar Tropfen – der Regen war so schwach, dass nicht einmal die Straße richtig nass wurde, von einer Entspannung der Dürre ganz zu schweigen.
Die Enttäuschung der Bauern ist verständlich, und das Schlimmste ist, dass es in den kommenden Tagen in Taichung und Nantou sonnig bleiben soll. Sieht ganz danach aus, als würde die Wasserknappheit anhalten. Viele Teebauern, die zuvor automatische Sprinkleranlagen genutzt hatten, sind inzwischen auf manuelle Bewässerung umgestiegen, da der Wasserverbrauch zu hoch war. Sie ziehen nun Schläuche, um die Teebüsche direkt am Wurzelbereich zu bewässern, um Wasser zu sparen und die Ernte zu retten. Neben dem Sparen versucht man natürlich auch, neue Wasserquellen zu erschließen: Ein Teebauer fuhr sogar mit seinem Pritschenwagen zum Fluss, um Wasser zu holen. Allerdings hilft das nur sehr begrenzt, denn seine Teeplantage ist riesig – die paar Liter auf dem Lastwagen wirkten im Vergleich wie ein Tropfen auf den heißen Stein. XD
In den letzten Tagen drehten sich die Gespräche unter den Teeauern viel um Themen wie: „Wenn die Dürre vorüber ist, müssen wir unbedingt die Wasserversorgung verbessern“, „Wir müssen Bewässerungsbeihilfen beantragen“ oder „Danach müssen wir unsere Wassertanks auf 40 Tonnen aufrüsten“ … Solche Themen hat der Ladenbesitzer während der Dürre 2021 schon oft gehört. Es scheint, dass die Haltung, sich einfach durchzuwurschteln, wohl bei den meisten eine gemeinsame Schwäche ist. Aber mal ganz ehrlich: Wer hätte auch ahnen können, dass nur ein Jahr später schon wieder eine Dürre eintritt?
Da ich schon in Lishan bin, habe ich gleich noch ein paar weitere Teegärten besucht. Die Teegärten in großer Höhenlage haben noch gar nicht ausgetrieben, und wegen des ausbleibenden Regens haben sich viele Düngemittel noch nicht aufgelöst (Bild 2 zeigt unaufgelösten, Bild 3 leicht aufgelösten Dünger). Teegärten mit Wassermangel zeigen alle dieses Bild. Es sieht ganz danach aus, ob es diesen Frühling genügend Wasser gibt, wird der entscheidende Faktor für die Teequalität sein.