Wie ich bereits vor ein paar Tagen erwähnt habe, mangelt es beim diesjährigen Frühlingsnte-Tee an Wasser. Das führt nicht nur zu geringeren Erträgen, sondern auch zu diesem „zu frühen Öffnen“, wovon selbst der sonst so wüchsige Jinxuan-Tee nicht verschont geblieben ist. Meiner Erfahrung nach lässt das bei Teegärten ohne Bewässerungsmöglichkeit leider Gottes keine guten Aussichten für die Qualität erwarten.
Einige Teefreunde haben gefragt, was genau ein „zu frühes Öffnen“ (Guozao Kaimian) ist – das möchte ich hier kurz erklären. Im Normalfall bilden Teepflanzen fünf bis sieben neue Blätter aus, bevor sich an der Spitze die sogenannte Ruheknospe bildet, was das Ende dieser Wachstumsphase signalisiert. Wenn das erste und das zweite Blatt an der Spitze ungefähr gleich groß sind, „öffnet“ sich die Knospe, was bedeutet, dass das Teeblatt herangereift und älter wird. Am Beispiel von Jinxuan: Normalerweise wachsen fünf bis sieben Blätter mit einer Länge von über zehn Zentimetern, bevor sie sich öffnen. In diesem Jahr jedoch haben sich die Knospen bereits nach drei bis vier Blättern und einer Länge von unter drei Zentimetern geöffnet – das ist ein Fall von extremem „zu frühen Öffnen“.
Die Bilder 2 und 3 zeigen den diesjährigen Frühlings-Tee aus mittleren Lagen mit Wassermangel. Schaut man genau hin, sind das erste und das zweite Blatt an der Spitze fast gleich groß, was zeigt, dass sie sich bereits geöffnet haben. Bild 4 zeigt den normalen Frühlings-Tee aus dem letzten Jahr – einige Blätter haben fast sieben neue Blätter hervorgebracht, ohne sich zu öffnen. Der Unterschied ist also gewaltig.
Das „zu frühe Öffnen“ führt nicht nur zu geringeren Erträgen, sondern lässt auch die Qualität des Tees rasant sinken, da die Blätter verholzen und der Geschmack verwässert (je zarter das Teeblatt, desto inhaltsreicher ist es). Zudem erschwert das „zu frühe Öffnen“ die Ernte sowie die Verarbeitung und beeinträchtigt die gesamte Teequalität. Daher ist Tee mit diesem Phänomen von minder guter Qualität – genau das Szenario, das Teebauern und -händler am wenigsten erleben möchten.
In den letzten Tagen habe ich die Teeregionen in mittleren Höhenlagen in Alishan und Zhushan besucht und festgestellt, dass bei vielen Teeblättern ein „zu frühes Öffnen“ und damit eine mindere Qualität zu beobachten ist. Nur wenige Teegärten mit ausreichender Bewässerung blieben verschont. Wenn alles wie erwartet läuft, werden sich die Teehändler um diese wenigen guten Chargen reißen.